High End Fashion: Wie fair sind Luxus Marken?

Dass Fast Fashion Brands wie Zara, Mango, H&M oder Missguided ihre Kleidung nicht besonders nachhaltig produzieren, wissen wir bereits. Aber wie steht es um die höherpreisigen Kleidungsstücke und Accessoires im High End Fashion Bereich? Produzieren Luxusmarken ihre Waren fairer und nachhaltiger als günstigere Brands? Dieser Frage gehe ich im heutigen Beitrag auf den Grund.

Ich kaufe, also bin ich: Was es heißt, High End Fashion zu tragen

In den Köpfen vieler Konsumenten besteht eine Art romantische Verklärung im Zusammenhang mit Luxus Marken. Wer sich eine Chanel Handtasche oder High Heels von Louboutin leisten kann, ist oben angekommen und hat es „geschafft“: Finanzieller Erfolg und sozialer Status werden mit extravaganten Accessoires zur Schau gestellt. Groß prangernde Markenlogos auf Taschen, Schuhen und Pullovern sollen weniger Begüteten zeigen, dass man zu einer anderen, höhergestellten Gruppe Menschen gehört. Doch Luxus kann auch leise sein; hochwertige Waren in schlichten Designs werden nur von einem kleinen, elitären Kreis erkannt und sind somit eine Art „Uniform“, die eine Zugehörigkeit zur einer Gruppe auserwählter Menschen zeigt, die sich den Kauf von High End Marken leisten kann.

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Produktion von Luxus Waren: Vom schönen Schein zur hässlichen Realität

Die Liebe zu Labels kennen natürlich auch Verbraucher ohne schwarze American Express Karte. Doch Konsum ist heute politischer denn je, und während günstige Fast Fashion Brands an den Pranger gestellt und wegen schlechter Arbeitsbedingungen und Giftstoffen in Textilien zerpflückt werden, blieb es bisher immer erstaunlich ruhig um die teuren Luxus Marken. Produzieren diese ihre Produkte etwa fairer und nachhaltiger?

„High-end retailers and the luxury sector can appear to exist outside of this system – shielded by ideas like craftsmanship and design, but behind the gloss is the same dirt. The same factories and the same working conditions.“
(Quelle)

Leider ist häufig genau das Gegenteil der Fall. Was für viele Konsumenten in einen schönen Schein von Kunsthandwerk und Design gehüllt ist, kommt aus genauso schmutzigen Arbeitsverhältnissen wie günstige Waren – die gleichen Fabriken, die gleichen Arbeiter und die gleichen Baumwollfarmer werden für höhere Margen für möglichst günstiges Geld angeheuert.

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Schlechte Arbeitsbedingungen und Glamour aus Heimarbeit

Natürlich lassen sich mit dieser Aussage nicht alle Luxusmarken über einen Kamm scheren. Dennoch hat sich bei bekannten Marken wie Max Mara, Louis Vuitton, Fendi (beide aus dem Hause LVMH) und Gucci erwiesen, dass ihre Ware von billigen Arbeitskräften in Heimarbeit gefertigt werden. Diese Menschen verdienen gerade mal 2 € in der Stunde, indem sie beispielsweise Pailletten auf Stoffe nähen und anderes feingliedriges Kunsthandwerk ausführen. Sicherheit durch Arbeitsverträge oder Versicherungen? Fehlanzeige. Häufig werden diese NäherInnen zusätzlich noch zu spät oder gar nicht bezahlt. Pressesprecher der betroffenen High End Brands wollen die Verantwortung für solche Arbeitsbedingungen wegschieben und weisen den Dienstleistern die Schuld zu, die sie für die Produktion ihrer Designs beauftragen. Und diese heuern nun mal neben zusätzlich Heimarbeiter zu den bereits bestehenden NäherInnen aus den Fabriken an. Von unterbezahlten ArbeiterInnen oder gar Missbrauch wollen die Brands nichts gewusst haben.

Tatsächlich gehören laut des Fashion Transparency Index Marken wie Dior, Chanel und Dolce & Gabbana zu den undurchsichtigsten Unternehmen, bei denen es am schwersten nachzuvollziehen ist, wie deren Waren entstanden sind. Das läuft dann so, dass Designs irgendwo in Produktion gegeben werden, wo der Preis stimmt. Für diesen Preis schaut der Dienstleister dann selbst, wie er sich an die lokalen Vorschriften für Sicherheit und Bezahlung richtet. Spätestens hier verlaufen sich die Spuren der Produktionskette im Sande. Doch es kann nicht sein, dass sich Brands so aus der Verantwortung ziehen und gleichzeitig hohe Preise für – seien wir doch mal ehrlich – unerhört überteuerte Kleidung, Schuhe und Accessoires fordern, um möglichst hohe Margen herauszuschlagen.

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Warum „Made in Europe“ nur Greenwashing ist

Aber das betrifft doch nur solche Marken, die in Asien produzieren lassen, oder? Steht im Etikett „Made in Europe“, kann man doch davon ausgehen, dass die Menschen, die die Kleidung nähen, fair bezahlt werden? Leider ist auch das ein Fehlschluss. Erstens betrifft die Aussage im Kleideretikett nur den allerletzten Schritt in der Produktionskette. Das bedeutet, dass nicht unbedingt das gesamte Kleidungsstück in Europa gefertigt worden ist – möglicherweise wurde es hier z. B. nur noch für den Verkauf verpackt. Alle vorherigen Produktionsschritte könnten auch in Billiglohnländern gemacht worden sein.

Zweitens sind Hersteller in Europa nur verpflichtet, den Mindestlohn zu zahlen, und der liegt in vielen Ländern Europas immer noch weit unter dem, was man zum Leben braucht. In Ländern wie Bulgarien, Georgien oder der Ukraine deckt der Mindestlohn nur 20 % von dem ab, was ein Mensch hier zum Leben braucht. Teilweise ist in Europa die Diskrepanz zwischen dem Mindestlohn und dem Existenzminimum noch höher als in asiatischen Produktionsländern. Zudem kämpfen in osteuropäischen Ländern vor allem Frauen nicht nur mit zu geringen Löhnen, sondern zusätzlich mit Geringschätzung ihrer Arbeitskraft und mit Missbrauch am Arbeitsplatz.

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Endlich faire Mode: Was kann ich als Konsument tun?

Bei High End Fashion Marken, die sich nicht in die Karten gucken lassen, was ihre Produktion angeht, sollte man als Käufer besser die Finger lassen. Ein Blick auf die Websites von Luxus Marken kann einen ersten Eindruck vermitteln; Nimmt die Marke Teil an Fair Fashion Initiativen mit echten, fest definierten Zielen? Gibt es womöglich sogar eine Auflistung der Produktionsstätten, aus denen die Ware der Marke kommt? Das sind positive Signale, die ein echtes Engagement für fairere und nachhaltigere Produktion anzeigen. Falls aber zwar von Nachhaltigkeit geredet, aber keine genauen Informationen preisgegeben, wie diese bei der Marke gelebt wird, handelt es sich wohl eher um Greenwashing.

Als weitere Entscheidungshilfe kann euch übrigens die Good on You App dienen; Hier kann man auf einen Blick sehen, wie nachhaltig eine Marke in Bezug auf Umwelt, Menschen- und Tierrecht agiert. Zusätzlich erhaltet ihr bei weniger nachhaltigen Brands auch Empfehlungen für alternative Marken, die es besser machen – so lernt man auch mal andere Marken kennen und kann diese unterstützen. Noch mehr Tipps für einen nachhaltigeren Modekonsum teile ich in diesem Beitrag mit euch.

Wenn ihr euch also mit einem etwas teureren Teil mal was gönnen möchtet, dann investiert doch in ein nachhaltiges Kleidungsstück – damit könnt ihr anderen zeigen, dass euch die Umwelt und andere Menschen mehr am Herz liegen als goldglänzende Logos.

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Quellen:

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