Quiet Luxury und Old Money: Lob und Kritik am Fashion Trend - sustylery
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Quiet Luxury und Old Money: Lob und Kritik am Fashion Trend

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Das Internet ist ganz verrückt nach Quiet Luxury und dem Old Money-Style! Was genau es damit auf sich hat, und was ich am Fashion-Trend kritisiere, aber auch befürworte, verrate ich euch heute.

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Seit einigen Wochen schwirren auf TikTok und Youtube die Begriffe Quiet Luxury (“Leiser Luxus”), bzw. Stealth Wealth (“Heimlicher Reichtum”) und Old Money (“Altes Geld”) in der Modewelt herum. Auslöser war vermutlich der Gerichtsprozess von Gwyneth Paltrow, in dem die Schauspielerin in schlichten, aber äußerst eleganten, äußerst teuren Outfits erschien. Ihre Looks wurden vom Internet seziert und die erlesene Schlichtheit der Kleidung hat schnell an Beliebtheit gewonnen.

Was ist Quiet Luxury?

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Die Outfits von Gwyneth Paltrow sind der Inbegriff von Quiet Luxury und vom geflügelten Wort “If you know, you know”; bei diesen Kleidungsstücken stehen die perfekte Passform, hochwertige Materialien und Langlebigkeit im Vordergrund. Diese Qualität hat ihren Preis, und nur eine bestimmte Gruppe von Menschen, die sich in der Modewelt auskennt (und sich diese hochwertigen Stücke leisten kann) erkennt die erlesenen Kleidungsstücke: Alle exquisit, elegant, ewig klassisch und unheimlich teuer.

Der allgemeine Look von Quiet Luxury ist schlicht, unauffällig und sehr alltagstauglich, besteht aber eben aus extrem hochpreisigen Kleidungsstücken. Zu den typischen Quiet Luxury Brands gehören unter anderem The Row, Delveaux, Max Mara oder Totême. Man denke an den French Chic, die “clean girl” Ästhetik, an Sommer in der Provence, Leben im Landhaus und Martha Stewart – schon hat man ein gutes Bild vor Augen, wie Quiet Luxury aussieht.

Was heißt Old Money?

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Old Money wird häufig im selben Atemzug genannt wie Quiet Luxury, es ist aber nicht das selbe. Wer von Old Money spricht, der redet über den Look derer, die über mehrere Generationen ein Vermögen in der Familie angehäuft haben (“generational wealth”) und dadurch einen gewissen Lebensstandard gewöhnt sind. Segeln, mit der Yacht auf’s Wasser raus fahren, Tennis spielen und Reiten sind typische Freizeitbeschäftigungen, die mit dieser Kohorte verbunden werden.

Dementsprechend sehen auch die Styles aus, die man mit Old Money assoziiert: Gemütliche Blockstreifen-Pullover, Loafers, Tweed und Reiterstiefel sind typische Merkmale des Old Money Looks. Die passenden Marken? Ralph Lauren, J. Crew oder Golden Goose sind typische Old Money Brands. Interessanterweise geht es bei diesem sehr klassischen Stil gar nicht so sehr darum, dass die Kleidungsstücke teuer sind. Aber bequem müssen sie sein, vielseitig und langlebig.

Das Gegenteil von Old Money ist übrigens New Money (“Neues Geld” oder “Neureich”); die Nouveaux Riche macht ihren Reichtum gerne sichtbar und greift deswegen auf Logos und ausgefallene Designs zurück, die jeder als Designermode erkennen kann und soll. Der Old Money Style hingegen ist zurückhaltend und im Allgemeinen sehr normal. Man soll nicht gleich auf den ersten Blick erahnen, dass dieser Polohemd-tragende Mensch eigentlich ein Multimillionär ist.

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Meine Kritik an den Trends Quiet Luxury und Old Money

Wie bei jedem Fashion-Trend kann man gute und negative Aspekte finden. Für mich ist gerade bei Quiet Luxury und Old Money bedenklich, dass diese Stile wieder nur als flüchtige Modebewegungen wahrgenommen werden und sie dadurch nur ein weiterer Trend bleiben, die den Konsum anfeuern. Gerade im Fast-Fashion Segment wie bei Shein oder Zara werden dafür zwar Kleidungsstücke hergestellt, die den typischen Look dieser Stile imitieren; durch ihre billige Herstellungsart sind sie allerdings nicht für die Ewigkeit gemacht. Für mich ist es deswegen ein Widerspruch, bei Quiet Luxury oder Old Money überhaupt von Fashion-Trends zu sprechen. Man müsste sie eher als eigene Mode-Stile bezeichnen, den man gut findet und deswegen immer gerne trägt – oder eben nicht!

Ein weiterer Widerspruch ist es zudem, “leisen Luxus” in den sozialen Medien so zu zelebrieren, dass die ganze Welt dabei zusehen kann, wie Menschen ihr Geld für luxuriöse, wenn auch neutral aussehende, Mode ausgeben. Aus meiner Sicht ist das doch ziemlich laut…

Und seien wir ehrlich; Quiet Luxury und Old Money sind doch nur Ausdruck davon, dass wir alle gerne ein bisschen reicher wirken möchten, als wir es wirklich sind. Doch durch den Fashion-Trend entsteht ein falsches Verständnis davon, wie Menschen mit Geld wirklich mit ihrer Kleidung umgehen. Im Buch “The Millionaire Next Door”* beweist eine quantitative Studie von Millionären in den USA, dass der typische Self-Made Millionär maximal 360 Dollar für einen Anzug ausgeben würde (zum Vergleich; Ein Millionär mit generational wealth, also mit familiären Vermögen, würde immerhin schon 600 Dollar ausgeben). Das passt mit den exorbitanten Preisen aus dem Quiet Luxury Segment nicht ganz zusammen.

Darüber hinaus sind gerade vermögende Menschen diejenigen, die Kleidung zu Tode tragen und auch eher reparieren lassen. Man sehe sich nur Fotos von Queen Elizabeth an, die dasselbe Kostüm jahrelang immer wieder in der Öffentlichkeit getragen hat.

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Wenn das Wiederholen von Outfits für die Queen gut genug ist, dann doch auch für uns Normalos, die sich gerne wie Millionäre fühlen wollen, oder? Kleidung immer wieder tragen und reparieren: das ist es, was wohlhabende Menschen wirklich tun. Monatlich neue „Must-Have Basics“ zu kaufen gehört hingegen eher nicht dazu, trägt das doch eher dazu bei, das eigene Vermögen zu dezimieren.

Diese Fashion-Trends machen Normalität endlich cool

Was ich an den Fashion-Strömungen von Quiet Luxury und Old Money aber wirklich gut finde, ist die neue Coolness von Normalität. All die Jahre zuvor (insbesondere vor Corona) galt es in den sozialen Medien, mit möglichst schrillen und ausgefallenen Outfits aufzufallen. Alles musste “instagramable” sein. Wer hat da nicht schon mal den Druck verspürt, ein besonders auffälliges Kleidungsstück zu kaufen, nur weil es gerade trendy war? Jetzt tauschen wir Logomania endlich gegen “Norm-Core” aus: Nun ist man automatisch hip, weil man zeitlose Klassiker wie Pullover und Stoffhosen trägt.

Auch der Gedanke, dass man sich durch normale Looks in einer immer gläserner werdenden Welt etwas Anonymität bewahren kann, ist unheimlich befreiend. Persönlicher Stil ist nach wie vor ein Ausdruck von Individualität, aber in den Schwarz-, Weiß- und Beige-Nuancen von Quiet Luxury und Old Money fühlen sich viele Menschen besonders sicher und einer größeren Gruppe zugehörig – ein Gefühl von Gemeinsamkeit, dass in der Zeit von Corona-Lockdowns viel gelitten hat und nun endlich wieder (auch modisch) aufblühen darf.

Nicht zuletzt begrüße ich den Aspekt der Nachhaltigkeit bei diesen Fashion-Trends. Denn sowohl bei Quiet Luxury als auch bei Old Money (was meiner Meinung nach eigentlich nur ein klassischer Stil ist) stehen die Langlebigkeit und Vielseitigkeit der Kleidungsstücke im Vordergrund. Ähnlich wie bei einer Capsule Wardrobe stellt man hochwertige Basics zusammen, die man gut untereinander kombinieren und immer wieder tragen kann. Der Grundgedanke bei diesen Fashion-Trends ist erstaunlich nachhaltig und mich würde es freuen, wenn es nicht nur bei einem schnell vergänglichen Trend bliebe, sondern bei einer langfristigen Veränderung im Mindset von uns Mode-Konsumenten: Qualität vor Quantität und vielseitige Multi-Talente statt ausgefallener Einzelstücke dürfen nun endlich unsere Garderobe einnehmen.

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Wie stehst du zu den aktuellen Trends von Quiet Luxury und Old Money? Verrate mir deine Meinung in den Kommentaren!


Kommentare

3 Antworten zu „Quiet Luxury und Old Money: Lob und Kritik am Fashion Trend“

  1. […] Old Money: Land-Adel, Polo und Yachten gehören auf das Moodboard für diesen Trend, genauso wie Khaki-Hosen und Strickpullover von Ralph Lauren. […]

  2. […] einem meiner letzten Beiträge habe ich die Trends um Old Money und Quiet Luxury bereits kommentiert. Es scheint nun so, als ob diese Styles mehr als nur Trends sind – sie […]

  3. […] Begüteten zeigen, dass man zu einer anderen, höhergestellten Gruppe Menschen gehört. Doch Luxus kann auch leise sein; hochwertige Waren in schlichten Designs werden nur von einem kleinen, elitären Kreis erkannt und […]

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